WINDSURFEN: WINDSURF-GABELBAUM-BERATUNG / WINDSURF-BOOM-BERATUNG

 

INHALT:

1.  Einleitung
2.  Outline und Gabelbaumlängen
3.  Gabelbaumholm-Durchmesser
4.  Gabelbaum-Steifigkeit
5.  Weitere Ausstattungsmerkmale
6.  Material
7.  Pflege

1. EINLEITUNG

Der Windsurf-Gabelbaum ermöglicht es genau so wie der Gabelbaum beim Segelboot, das auf den Mast gezogenen Surfsegel am Schothorn zu befestigen und zu spannen. Darüber hinaus dient er zum Halten des Riggs. Ein Gabelbaum wird im wesentlichen über die Outline, die minimale und maximale Länge, die Holmdurchmesser, die Steifigkeit, das Material und das Gewicht bestimmt.

Die gute Nachricht: Ein guter Gabelbaum erweist Ihnen weit über 15 Jahre gute Dienste.

Die schlechten Nachrichten: Ein Gabelbaum kostet je nach Material, Länge und Ausstattung im empf. VK zur Zeit zwischen 99 € (Alu-Gabel) und 980 € (Vollcarbongabel). Und Sie brauchen früher oder später eigentlich mindesten drei verschiedene Gabelbaumtypen, um optimale Leistung von den betreffenden Segeln abfordern zu können. Übergangsweise wäre auch ein Gabelbaum für verschiedene Segeltypen und Segelgrößen bis max. 3m²-Segelflächendifferenz möglich.

2.  OUTLINE UND GABELBAUMLÄNGEN

Von der Outline her unterscheidet man je nach Holmbiegung zwischen:
Wavebooms / Wave-Gabelbäume
-  Freeridebooms / Freeride-Gabelbäume und
-  Racebooms / Race-Gabelbäume

Wave-Gabelbäume sind schmaler als die Freeride-Gabelbäume und viel schmaler als die Raceausführungen. Die 2004er Gabeln z.B. waren im surf-Test zwischen 41 und 52 cm breit.

Flache Segel vertragen auch eng geschnittene Gabeln. Außerdem steht man bei engen Gabelbäumen näher an der Brettachse und hat einen direkteren Kontakt zum Segel. Bei Rotationen rücken damit Körperachse und Segelachse näher zusammen und bilden eine kompaktere Einheit.

Dabei gibt es wiederum welche Outline-Entwicklungen die im vorderen Bereich etwas breiter sind als bisher, das gibt dem Windsurfer die Möglichkeit das Rigg aufrechter zu fahren, was das Segel effizienter twisten lassen. Durch den größeren Abstand zum Segel soll sich das Handling beim Waveriding und beim Shiften des Segels, nicht nur bei der Power Halse, sondern bei jeder Art von New-School-Manövern verbessern. Außerdem verbessern geradere Holme im mittleren Teil der Gabe den Griffwinkel des Handgelenks, was eine geringere Belastung der Gelenke und Unterarme bedeutet. Ein extreme Verlauf von starker Krümmung im vorderen Bereich, zum sehr geraden Holm im mittleren Teil des Gabelbaums erhöht die Stabilität und macht die Gabel steifer.

Bauchige Powersegel brauchen vergleichsweise mehr Platz, sonst liegt das Segel unter Winddruck am Gabelbaum an und wird dadurch verformt, d.h. das Segel ist aerodynamisch gesehen nicht mehr optimal geformt.

Die Gabelbäume können auf Entfernungen von 135 cm und 310 cm (für Erwachsenen) eingestellt werden. Die Längenangaben auf den Gabelbäumen beziehen sich auf die Entfernung zwischen Gabelkopfinnenseite, also vorderen Seite der Mastaufnahme  (Gummieinlage der Mastaufnahme) bis zur inneren Seite des Gabelbaumendes. Dabei achten die Hersteller darauf, dass die kürzeren Varianten einer Gabelbaumlinie eher der Wave und die größeren der Freeride- oder der Race-Outline entsprechen. Die Verstellbereiche der Gabelbäume variieren zwischen 40 und 60 cm. Je Größer der Verstellbereich, um so mehr Segel können mit dem Gabelbaum gefahren werde. Aber je länger das Gabelbaumendstück ausgefahren wird, um so mehr nimmt auch die Steifigkeit, insbesondere bei den Alu-Gabeln, ab.

Aus diesem Grunde können Sie mit einer Gabel je nach Segeltype auch nur etwa 2,5 bis 3,5 m² Differenz in der Segelfläche bedienen. Aber um z.B. einen Palette von 4,0 bis 9,0 m² mit Gabeln abdecken zu können benötigen Sie mindesten zwei wahrscheinlich aber drei oder je nach Ausführung sogar vier Gabelbäume (sieh Tab.1).

Tab.1: Segelgrößen und Gabelbaumlänge

 Segelfläche

Mittelwert

Min

Max

Gabelbaum

Firma

3,0

127

127

127

125 -

Kinder-Gabel

3,3

134

133

135

129 -

Chinook

3,5

139

137

142

135 -

Naish / AMEX

4,0

149

145

152

140 -

Prolimit

4,5

159

157

165

140 -

Prolimit

5,0

167

164

173

160 -

Prolimit

5,5

180

180

180

160 -

Prolimit

6,0

185

183

187

180 -

Prolimit

6,5

193

191

195

180 -

Prolimit

7,0

203

200

205

180 -

Prolimit

7,5

210

208

211

200 -

Prolimit

8,0

218

215

220

200 -

Prolimit

8,5

226

224

227

220 -

AMEX / TEKKNO

9,0

232

232

232

220 -

AMEX / TEKKNO

9,8

241

241

241

220 -

AMEX / TEKKNO

10,6

255

255

255

250 -

Prolimit

 

Für die Holmbiegungen ergeben sich im Wesentlichen folgende Zuordnungen zu den Segeltypen:
-  Wave-Biegungen: passen optimal zu den Wave-, Freemove- und den kleinen Freestylesegeln
-  Freeride-Biegungen (Crossover-Biegung): passen optimal zu den großen Freestyle-, Freeride- und kleinen Racesegeln
-  Racebiegungen: passen optimal zu den großen Freeride-, Freerace- und allen Racesegeln.

Bei den Längenangaben an den Gabelbäumen darf man nicht zu genau sein. Wenn man mit dem Gliedermaßstab bei verschiedenen Herstellern nachmisst, wird man über die Abweichungen erstaunt sein. Bis zu +/- 2cm und manchmal auch mehr sind keine Seltenheit. Die Maße und Angaben der Segel-, wie auch der Gabelhersteller sollten Sie nur als groben Anhaltspunkt verstehen. Trimmen, und das gilt besonders fürs Vorliek, müssen Sie sowieso immer nach dem Aussehen des Segels, so wie der jeweilige Hersteller es empfiehlt.

Und am Schothorn arbeiten Sie dann mit der Zwei-Finger-Methode zum Finden des "Schothorn-Nullpunktes", der in der Regel auch den neutralen Trimmpunkt für die Schothornspannung ist. Dazu ergreifen sie die Trimmschot mit zwei Fingern und spannen das Schothorn (mit zwei Fingern) so weit wie möglich... Bei mehr Wind ergreifen sie die Schotschnur mit der Faust oder einem Trimmknauf und ziehen die Trimmschnur 2 bis gar 3 cm weiter. Dazu muss man dann die Gabel um eine Position verlängern - oder lassen die Schnur bei weniger Wind bis zu 2 bis 3 cm nach - dazu muss die Gabel um eine Position gekürzt werden. Eigentlich braucht man daher auch keine Längenangaben zu den einzelnen Positionen Gabelbaum mehr. Einige Segel benötigen mehr Schothornspannung.

Bei Sailloftsegeln stimmt die neutrale Schothorneinstellung nicht mit dem "Schothorn-Nullpunkt" überein. Bei diesen Segeln muß das Schothorn sofort 2 bis 3 cm weiter durchgesetzt werden, bis die Segellatte über dem Gabelbaumkopf plan mit dem Mast abschließt.

3.  HOLMDURCHMESSER

Die Holmdurchmesserangaben der Hersteller sind immer die blanken Rohrdurchmesser ohne Griffbelag.

Die älteren Modelle hatten Holmdurchmesser von 34 bis 35mm. Heute weisen die dünnsten Gabelbäumholme an der dünnsten Stelle 26,5 mm auf. Surfer mit großen Händen sind von den 32mm-Holmen und Frauen und kleine Surfer von den schlankeren Modellen begeistert. Die schlankere Holme sind für Surfer mit einen Gewicht bis zu 70 kg geeignet. Schwerere Surfer die wesentlich mehr druck in Segel lieben, würde dann die Abstriche in der Steifigkeit der schlanken Holme bemerken.

Holmdurchmesser    Holmumfang
-  26,5 mm                  83 mm
-  27 mm                     85 mm
-  29 mm                     91 mm
-  30 mm                     94 mm
-  32 mm                     101 mm

Dünn und steif zugleich leisten nur Carbon-Gabeln. Dünne Alu-Gabeln sind weicher und geben nach. Die Innenlänge des Gabelbaums wird beim "Nachgeben des Gabelbaumes" verringert, und der Druckpunkt beginnt zu wandern.

Standard Holmdurchmesser sorgen für ultimativen Komfort und Kontrolle bei allen Wave- und Crossover-Gabeln und für Steifigkeit und Komfort bei allen Race Gabelbäumen.
 

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4.  STEIFIGKEIT

Auf dem Wasser bedeutet höhere Steifigkeit immer, ein sehr viel direkteres, schneller ansprechendes Rigg in den Händen zu haben.

Welche Gabel sollte man wählen: Alu- , Hybrid- oder Carbongabel? Bei Segeln unter 6m² (sogar bis 7,5m²) ist der Unterschied zwischen Alu und Carbon hinsichtlich Steifigkeit gering. 

Alu-Gabeln sind die kostengünstigste Variante, sollten aber nur im eingefahrenen oder wenig ausgefahrenen Zustand genutzt werden. Im ausgefahrenen Zustand, so lauten die Testergebnisse, zeigten die Alugabeln einen Verlust an Steifigkeit zwischen 15 und 25%.

Hybridgabeln bestehen aus einem Carbon-Kopf- und -endstück, während die Holme aus ALU gefertigt sind. Bei Monocoque Konstruktionen (aus einem Stück) wurden bei Hybridgabeln der Gabelbaumkörper aus Aluminium und das Endstuck aus Carbon jeweils aus einem Stück gefertigt. Hybridgabeln gelten als erschwingliche Gabeln mit Carbonanteil.

Carbongabeln sind nicht leichter als Alu-Gabeln, aber sie vereinen maximale Steifigkeit mit Robustheit und Komfort. Gerade die teuren Carbongabeln sind somit etwas für alle Windsufer, die besondere Ansprüche an einen Carbon-Gabelbaum haben, was Steifigkeit und Haltbarkeit angeht. Die Verstellbereiche variieren je nach Modell und Hersteller von 40 bis 60 cm.

Es gibt auch zerlegbare Surfgabeln aus Aluminium, die über ein Push-Pin-System am Gabelbaumkopfstück befestigt ist. Die Zerlegbarkeit erleichtert den Transport der Gabelbäume enorm, aber die Holme zeigen so extreme Verwindungen, so dass von der Steifigkeit des Aluminiums nichts mehr übrig bleibt.

Müssen Ihre Gabeln zum Transport zerlegt werden, so greifen Sie doch besser zu den verschraubten Gabelbäumen und schrauben diese vor dem Transport auseinander und nach dem Transport wieder zusammen. Der Aufwand lohnt sich.
 

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5.  WEITERE AUSSTATTUNGSMERKMALE

Weiter Ausstattungsmerkmale von Gabelbäumen sind:
-  Gabelbaumkopfstück für alte Masten geeignet (z.B. AMEX-Gabelbäume) oder nicht (z.B. Prolimit Assault Gabelbäume).
    Alte Masten, zum Teil auch neuere Epoxid-Masten  sind im Bereich der Gabelbaumkopfarretierung dicker gewickelt als
    moderne Carbonmasten. Die Mastaufnahme am Gabelbaumkopf ist bei den neueren Leistungsgabeln enger gegossen als bei
    den Universalgabeln

-  Gabelbaumkopfstück – Spritzguss gefertigt und faserverstärkt

-  Gabelbaumkopfstück – ein axial bewegliche (oder gelagerte) Kopfstück passt sich optimal am Mast an, egal auf welcher Höhe
    der Gabelbaum montiert werden soll. Das verringert die Belastung auf das Kopfstück und macht den Gabelbaum stabiler. Der
    Gabelbaum lässt sich dadurch auch sehr leicht am Mast fixieren

-  Gabelbaumkopfstück – überdimensionierte Becher der Mastaufnahme, der die Berührungsfläche mit dem Mast vergrößert
    und dadurch für weniger Spiel des Kopfstücks am Mast sorgt

-  Gabelbaumkopfstück mit RDM-Adapter (z.B. Prolimit Assault)

-  Längenarretierung - Pin Lock Verschlusssysteme mit einem Metallstift

-  Längenarretierung - Twin Pin Lock Verschlusssysteme mit zwei Metallstiften - garantiert bombenfeste Längeneinstellung und
    verhindert die Verwindung der Holme

-  Längenarretierung - Verstellschritte 20mm (viele Carbongabeln) oder 25mm

-  Gabelbaumendstücke - Aluminium eloxiert - härtere Oberfläche - weniger Reibung bzw. etwas leichter zu bedienen
   (Durch das Eloxieren erhalten Aluminium Oberflächen eine besonders harte und kratzfeste Versiegelung)

-  Gabelbaumendstücke - eng oder weiter geschnittene Gabelbaumendstücke: der Abstand zwischen den Arretierschellen in
    Position 0 beträgt zwischen 70mm und 100 mm, damit kann ein bauchig gefahrenes Segel bei engerem Schellenabstand
    leichter an der Schelle schleifen, als unter gleichen Bedingungen bei einem weiter geschnittenen Endstück
    (AMEX '07: 100mm)

-  Gabelbaumendstücke - weinig oder weiter ausgestellte Gabelbaumendstücke: der Abstand von den Arretierschellen  in
    Position 0 bis zur Belegklemme beträgt zwischen 60mm und 110 mm, die flache Gabeln sind minimal steifer als unter
    gleichen Bedingungen bei einem weiter ausgeschnittenen Endstück (AMEX '07: 73 mm)

-  Gabelbaumendstücke - weit geschnittene Gabelbaumendstücke bei Racegabelbäumen mit und ohne Laufrollen für die
    Trimmshot am Schothorn

-  Gabelbaumendstücke - geschraubte (älteren billigen Gabeln - bestehend aus drei Teilen) und Endstücke aus einen Guss
    (ein durchgehendes Teil). Die Endstücke aus einen Guss sind steifer als die geschraubten.

-  Grip für Wavegabeln: Holm unterhalb des Endstücks mit einem etwas härteren Grip überzogen, kein nacktes Aluminium mehr
    am Gabelbaum. Das Endstück rutscht auf Kunststoff-Slidern, die das Verstellen des Gabelbaums erleichtern

-  Trimmsystem für Racegabeln: Trimmsysteme für das Achterliek, während der Fahrt verstellbar mit Rollen, bieten
    z. Z. nur Carbongabeln.  Solche Systeme sind eigentlich aber schon ab 8m² sinnvoll.

 

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6.  MATERIAL

Gabelbäume sind aus folgenden Materialien gefertigt:

T6 Aluminium - festes Aluminium

T8 Aluminium - hochfestes Aluminium

Ergal Aluminium - ist derzeit das Leistungsstärkste Aluminium auf dem Markt. Es ist leichter, steifer und stabiler, aber auch
   vier mal so teuer wie herkömmliches Aluminium (T8, T6, etc.). Bei maximalem Zug, Verdrehung oder Quetschung, bringt
   sich das Material immer wieder in seine ursprüngliche Position zurück.

Carbon - Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK - C für Carbon = Kohlenstoff) bezeichnet einen Faser-Kunststoff-
   Verbundwerkstoff, bei dem in eine Matrix (z. B. aus Kunststoff) Kohlenstofffasern, meist in mehreren Lagen, als Verstärkung
   eingebettet werden. Die Matrix besteht meist aus Duromeren, zum Beispiel Epoxidharz oder Thermoplasten.
   Gewährleistet absolute Steifigkeit auch im ausgefahrenen Zustand der Gabel.

 

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7.  PFLEGE

Es empfiehlt sich, den Gabelbaum ab und zu mit Süßwasser auszuspülen.

Leichte Beschädigung des Grips kann man mit 80er Schleifpapier glätten und vermeidet damit das weitere Ablösen des Belags. Wenn Sie den von Sonneneinstrahlung gebleichten Grip leicht abschleifen, sieht der Gabelbaum wieder wie neu aus.

Schwergängige Gabeln werden wieder leichter nach dem Einsprayen mit Marinespray oder WD-40 verstellbar. Ölfreie Selikon- oder Teflonsprays aus dem Bootszubehör schmieren kaum und ziehen keinen Schmutz an.
 

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